Montag, 22. Juni 2009

Meine Zahl heute ist 6000...


Vergangenen Donnerstag haben sich 6000 Menschen rund um das Parlament versammelt um eine Lichterkette zu bilden. Eine Lichterkette für ein friedliches Miteinander und Zivilcourage, für Vielfalt, Respekt und Menschenwürde. Eine Lichterkette gegen die untragbaren Zustände im letzten Wahlkampf und in der Politik, gegen Menschenhetze, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Initiatorinnen waren überwältigt: Romy Grasgruber (25) und Maria Sofaly (27) haben in nur drei Wochen über Internet dieses Projekt auf die Beine gestellt. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Viele Menschen in diesem Land haben genau so gedacht wie sie, die Zustände nicht mehr recht ertragen, und mehr als 6000 sind gekommen...

licherkette2009.blogspot.com
Foto: Cremes Photoblog - www.derstandard.at

Montag, 15. Juni 2009

Flucht ist nie freiwillig


Neue UNHCR-Informationsinitiative in Österreich wirbt für Verständnis

Mit einer groß angelegten Informationsinitiative will das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR in Österreich zeigen, was Flucht bedeutet, und den populären Mythen über Asylsuchende Fakten gegenüberstellen. Mit Pro-bono-Unterstützung der Kommunikationsagentur Reichl und Partner ist ein Sujet entstanden, dessen zündender Gedanke ein Haus aus Streichhölzern ist. Dieses Haus ist abgebrannt, dazu die Hauptaussage: "Flucht ist nie freiwillig".

Wien - Was man sich nicht vorstellen kann, das kann man nur schwer verstehen. Und für viele Menschen in Europa ist Vertreibung inzwischen unvorstellbar geworden. Hier setzt die Informationsinitiative, die von den Kreativen der Kommunikationsagentur Reichl und Partner vollkommen unentgeltlich umgesetzt wurde, an: "Match" will darüber aufklären, was Flucht bedeutet und warum Asyl oft der einzige Ausweg ist. "Für uns war es wichtig, dass das Sujet drei Aussagensäulen enthält: Was Flucht bedeutet! Wer flieht, braucht Asyl! Und wer Asyl braucht, ist kein Schwindler, wenn er Asyl sucht!", fasst Roland Schönbauer, bei UNHCR für die Initiative verantwortlich, zusammen.

In Öffentlichkeit und Politik kommt "die Asyl-Frage" oft sehr einfach daher – in Form von Schlagworten und Vorurteilen. Dass diese dann von manchen Politikerinnen und Politikern immer wiederholt werden, macht sie nicht zutreffender. Es entstehen Mythen. In dieser voreingenommenen Atmosphäre ist die Gefahr von Fehlentscheidungen in der Politik groß und das Verständnis für den Flüchtling von nebenan schwerer aufzubringen. UNHCR will nun die drei größten Asyl-Mythen widerlegen.

Die drei größten Asyl-Mythen

Mythos 1: "Alle Asylwerber wollen nur nach Österreich"

Mythos 2: Man kann Österreich für Asylwerber "unattraktiv machen"

Mythos 3: Wer illegal über die Grenze kommt, kann ja nur ein Schwindler sein.


"Wir wollen die Bevölkerung informieren und gegen Angstmache immunisieren. Auch wenn man das gleiche Vorurteil über Asylsuchende schon 100mal gehört hat, sollte man es hinterfragen und nicht gedankenlos nachplappern", erklärt UNHCR-Sprecher Schönbauer.

Die Initiative "Match" läuft von 16. Februar bis Ende März österreichweit auf einer Vielzahl von Kanälen: in Print-Inseraten, im Internet, auf über 100.000 Postkarten, auf Rolling Boards und Plakaten (u.a. kostenlos von der Firma Epamedia), in öffentlichen Verkehrsmitteln in Linz, Graz und Innsbruck sowie in TV und erstmals auch in Radiospots, dazu auf Video-Walls und Screens an Universitäten und in Veranstaltungsstätten, darunter der Flüchtlingsball des Wiener Integrationshauses im Wiener Rathaus.

Zeitungen, Werbefirmen und Privatradios unterstützen die Initiative ohne Gegenleistung. "Hierzulande", begründet Rainer Reichl, der Geschäftsführer der Reichl und Partner Communication Group, sein persönliches Engagement und das seiner Agentur, "hierzulande geht es uns so gut, dass viele ein solches Flüchtlingsschicksal gar nicht begreifen können. Es ist absolut wichtig, dass es das UNHCR gibt, das Flüchtlingen und Asylwerbern in Österreich und der ganzen Welt hilft."



UNHCR: Roland Schönbauer (Initiator, Gesamtverantwortung).

Reichl und Partner Communication Group: Rainer Reichl, Elke Schicker, Liane Grassler, Tomek Luczynski, Radomir Kosma Jedrasiak, Sylvia Schippany, Mathias Wosner, Christoph Reicher, Christoph Laistler, Barbara Roher, Karina Jäger, Daniela Gebetsroither, Angelika Putz, Michael Obermeyr, Elisabeth Gager.

Fotografie/Bildbearbeitung: staudingerstelzhammer

Filmproduktion: Filmhaus Wien (Producer: Christian "flo" Florin, Regie: Sascha Köllnreitner, Pyrotechnik: Andreas Bössner, Ton: TIC MUSIC/Clemens Kloss), Postproduction: Listo Video, Sprecher: Miguel Herz-Kestranek und Nicole Weber.

Terroristenbart

Vielleicht können wir jenem Redakteur helfen, der gerade für die Barbara Karlich Show zum Thema "Vorurteile" recherchiert. "Und zwar bin ich für die Sendung noch auf der Suche nach einem männlichen Muslimen", schrieb er an den Kulturverein Kanafani: "Um die Aussagen und den Kontrast zu verstärken, sollte der Interessent idealerweise dem Klischee-Bild eines 'Terroristen' entsprechen, sprich langer Bart, dunkle Augen (...)." Wie halt Terroristen so aussehen. "Bitte nicht missverstehen", bat der Redakteur, "ich möchte in der Sendung genau auf diesen ersten Eindruck ansetzen, der sich dann im Laufe des Gesprächs quasi als 'falsch' entpuppen sollte." Da ist man bei Karlich zum Glück ja recht geduldig. Im Leben draußen kommt ein optisch derart klar erkennbarer Terrorist vor der Verhaftung oft gar nicht mehr zu Wort.

Schade, der Kulturverein Kanafani konnte in der Sache nicht behilflich sein. Sein Obmann erwiderte dem Journalisten: "Leider sind alle unsere männlichen Mitglieder mit Bart und dunklen Augen tatsächlich Terroristen. Ich (...) wünsche Ihnen aber viel Erfolg bei Ihrer weiteren Suche."

Dem schließen wir uns vorurteilsfrei an.

(Daniel Glattauer/ DER STANDARD Printausgabe 20.10.2007)

Als erster Post in meinem erst heute erstellten Blog ist Daniel Glattauer, so was wie ein Idol für mich, eine sehr gute Wahl...